Bericht an die MO (Motorradzeitschrift)

Ich muss weit zurück, angefangen hat es 1991.In den letzten Jahren wurde es klar. Abends beim Bier in unserer Stammdisco, spätestens nach dem Dritten, wenn das Gespräch wie immer in Richtung, Knie schleifen, spät bremsen, früh gas geben kam.

Ich war schneller als die meisten Jungs um mich herum auf der Straße.

Dieses “mentale Training“ in der Disco und an langen Winterabenden ließ nur einen Schluss zu, und zwar den, dass ich mit meinem „überragenden Talent, meinem Mut und meinem Speed “ einfach auf die Rennstrecke muss. Irgendwann im Frühjahr 91 im Contidrom bei Jeversen war es soweit.91er GSXR 750 mit Standard MX 59 besohlt, aus der Kiste auf die Piste, Rennverkleidung dran und fertig.Das „Renngerät“ auf dem Hänger, den E-Rekord vorgespannt standen wir auf der Brücke, die über die Rennstrecke in Contidrom führt.Unter uns zieht Helmut Dähne auf der RC30 ganz oben an der Linie aus der Steilwand raus auf die lange Gerade.

Das war`s, ich war fertig, Hose voll, Knie weich wie Butter.Die ganzen Jahre SCHNELL Reden, mit den anderen SCHNELLEN Männern in der Disco, alles weg. Ich bin einfach nur falsch hier, Motorradrennen ist mal gar nix für mich.So war es fast immer, es hat sich bis heute kaum geändert. Diese weichen Knie, dieses mulmige Gefühl im Bauch, das sichere Wissen beim Le Mans Start überhaupt nicht loslaufen zu können, wenn Otmar Bange in Oschersleben die Fahne senkt. Es ist immer noch da, jedes mal wenn`s los geht, es fängt nur etwas später an als 91.

So war es auch jetzt beim North West 200 in Nordirland, einem der schnellsten Rennen die es gibt. Die alten Hasen, der Rennleiter und einer der Spitzenpiloten (mit Halskrause und einem Gang als hätte er einen Spazierstock geschluckt) mahnten uns Newcomer in einer speziell für uns abgehaltenen Fahrerbesprechung zur vorsichtigen Fahrweise, immer an der Mittellinie entlang.Uns wurde von allen empfohlen, den ca. 9 Meilen langen Straßenkurs mit zwei Kreisverkehren, mehreren Sprüngen, teilweise im 6.Gang, einer tollen Passage direkt am Meer entlang und einem Teil durch die City, langsam zu studieren und ihn lernen zu genießen.Am Ende der Newcomerbesprechung wiederholte ein Priester diesen Text und verteilte an uns alle das Neue Testament in Taschenbuchform…

Darauf folgt eine Besichtigungsrunde für uns ca.35 Neulinge mit einem Bus über den Kurs, die alten Hasen, allen voran Roger Marshall als „Reiseleiter und Sprecher“.Beim Aussteigen wies der Priester nochmal auf`s neue Testament hin, wer noch keins hat der könnte jetzt noch eins mitnehmen, hab ich dann auch gemacht (sicher ist sicher).Das erste Newcomertraining fand mit vorherfahrenden Marshalls statt, denen wir uns in kleinen Gruppen anschließen durften, alle kreuz und quer gemischt..125er,250er zweitakt, 400er , 600er, Superstock und Superbikes.Als wertvoll und äußerst nützlich erwies sich die Tatsache, dass ich im März auf Toyota Prius schon einige Trainingsrunden absolviert hatte.

Wie sich nach der ersten noch verhaltenen Runde zeigte, nutzten die vorherfahrenden Marshalls, allesamt auch genannte Teilnehmer in den verschiedenen Klassen, die Newcomerrunden als willkommenes Zusatztraining.Es wurde angegast und ohne Windschatten ging nix, mit auch nicht viel, weil es leider auch die Sicht versperrt wenn man mit wenig Abstand hinter einem Schattenspender auf einen noch nicht genau definierten Bremspunkt zuhält. Nach gut einer halben Stunde war der Tank leer, das Training rum und entgegen den Unkenrufen von Alan, (lausiger Mechaniker von R6Cup Winner Roger Maher)die Unterhose nicht voll.Das erste offizielle Training direkt im Anschluss verlief noch wesentlich ungeordneter.

Aufgrund schlechter Wetterbedingungen, konnten sich im Vorjahr viele Piloten nicht qualifizieren.Dementsprechend groß war bei tolle Wetter die Motivation . Es ging viel zu Bruch, die Jungs gaben alles und einige sogar noch etwas mehr. Durch die vielen Unterbrechungen konnten die 125, 250 und 400er wegen einbrechender Dunkelheit nicht mehr auf die Strecke und mussten am nächsten Tag mit nur einem einzigen Training auskommen.Dieser Umstand wurde mir leider zum Verhängnis. Nachdem ich mit Roger besprochen hatte, dass er nur drei Runden mit der NC30 fährt und sie mir dann übergibt, um mich zu qualifizieren, stand ich aufgerüstet in voller Montur, meine Startnummer zum Umkleben in der einen, den Transponder in der anderen Hand und wartete. Nach neun Runden hatte mein irischer Freund dann bis drei gezählt und war bereit sich von seiner kleinen Honda zu trennen. Aufgrund der nun gebotenen Eile ließ ich das eventuell zur Neige gegangene Benzin außer acht und durfte schon nach einem Kilometer feststellen das das wohl ein Fehler war. Als ich nach dieser Runde Schleichfahrt zum Nachtanken in die Box kam war das

Training gelaufen und ich für die 400er nicht qualifiziert.

Die Startprozedur während der Trainingsläufe  sind so geregelt, das die ersten dreißig Startnummern auch die ersten dreißig Teilnehmer sind, die mittels einer Wäscheleine von der nächsten Gruppe getrennt, auf die Piste gehen.Soviel zu Regel und Theorie.  In der Praxis waren nicht selten Nummern zwischen neunzig und 115 in der ersten Reihe zu sehen. Direkte Übereinstimmung zwischen Regelwerk, Zeitplan und tatsächlichem Ablauf war nicht immer zu erkennen, was aber bei keinem der beteiligten wirklich zu Irritationen führte.Auch nicht bei dem deutschen  Suzukipiloten aus dem Raum Celle (sorry Schmidti!!) , der seine Maschine in alle Ruhe in den Startbereich gestellt hatte und nachdem er sich ins Leder geschmissen hat, feststellen musste, das sich seine achtzig Konkurrenten schon in der Einführungsrunde befanden. Kein Ding, vorgefahren zum Rennleiter, versprochen vorsichtig zu sein und hinterher, das Feld einholen. Unterwegs vergessen das das nur die Einführungsrunde ist, mit mittlerweile gutem Rhythmus in die“ zweite Runde“, große Augen und Verwunderung einfach nicht weiter fahren zu dürfen…(nochmal sorry, musste einfach sein).

Die Rennen am Samstag vor hunderttausend Zuschauern waren fantastisch, die Atmosphäre unvergleichlich .Es ist ein Wahnsinnsgefühl, ein Paar Reihen vor sich die Namen, Archibald, Louger, Rutter und Mc Guinness zu lesen, mittendrin zu stehen.Die Knie weich, ganz mulmig der Bauch…,es kommt jetzt nur ein wenig später als in 91.

 

Sehr geehrtes MO Team, das waren meine eindrücke und auch ein Paar Emotionen, die Ergebnislisten liegen im Netz vor.kl.Info noch:meine R1 lief im Training mit Übersetzung 17/43 304km/h, im Rennen hatte ich nochmal ein Paar u/min mehr drauf.Die Maschine ist von Galle für Yamaha Deutschland aufgebaut worden und hat unter Didier die Superstock EM gewonnen.

Die 600er ist ein absolutes Serienmoped, außer Verkleidung, Lenker und Slip-on Dämpfer nix gemacht.Ich glaube ich war der einzige Starter ohne Kitmotor in Irland. Die anderen haben mich auf den elend langen Geraden abgefressen das es zum heulen war.Durch Roger Maher bin ich drauf gekommen in Irland zu starten, wir haben im letzten Jahr in Oleben die 24h zusammen gefahren. Als wir im März die Strecke sichten waren, haben wir in Ballymoney, in Joe`s Bahnhofsspelunke dem Altmeister gedacht. Ist ein Loch, aber auf ein Pint sollte man reinschauen.

Nach  dem North West sind wir direkt zur Isle of Man gefahren.Dort konnten wir auch zusammen ein ordentliche Leistung abgeben, Schmidti, Schönfelder und ich. Für Kaletsch und Vogel lief`s nicht so dolle. Aber was soll`s, wir sind gesund , waren dabei und hatten eine klasse Zeit.

Wenn ihr zur Isle of Man auch etwas wissen wollt, zum North West noch Fragen habt, oder einfach interessiert seit was die weitere Pläne angeht , meldet euch einfach,

 

Viele Grüße fritz